24.02.2016

Studie: Deutschland gehört zu den besten Geflügelländern der Welt

                                                                             © ZDG

Das HRI hat in der Studie „Geflügelwirtschaft weltweit – Deutschland im internationalen Vergleich. Eine Analyse der Erzeugungsstandards“ im Auftrag des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft die internationalen Standards in der Erzeugung von Geflügelfleisch analysiert.

Im Fokus der Studie stehen die größten Volkswirtschaften der Welt und der EU sowie fünf der sechs größten Geflügelfleischerzeuger der Welt. Neben Deutschland werden die USA, China, Brasilien, Indien, Russland, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Polen, Niederlande, Belgien, Schweden und Österreich untersucht. Anhand von zwölf Indikatoren wie Besatzdichte, Stallhygiene, Antibiotikaeinsatz sowie Ausbildung des Personals werden die gesetzlichen und gesetzesähnlichen Rahmenbedingungen in den 16 Ländern verglichen. Dabei werden die vier Säulen Tierwohl, Verbraucherschutz, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit analysiert.

Der Vergleich zeigt, dass es in der konventionellen Tierhaltung – globaler Standard der Geflügelfleischerzeugung – erhebliche Unterschiede bei den Regelungen der Erzeugungsbedingungen gibt.

Für die Hähnchenmast gilt: Die von der EU vorgegebenen Mindeststandards sind die höchsten der Welt. Nirgendwo außerhalb Europas werden die Haltungsbedingungen durch Richtlinien und Verordnungen so detailliert und streng geregelt.

In Deutschland geht das nationale Recht – wie nur noch bei den vergleichsweise kleinen Erzeugerländern Schweden und Österreich – noch über die EU-Standards hinaus. Das betrifft eine Vielzahl von Indikatoren, vor allem in den Bereichen Tierwohl und Verbraucherschutz. Deutschland befindet sich damit bei der Hähnchenfleischerzeugung im globalen Vergleich in der internationalen Spitze.

Für die Putenmast existiert keine spezielle EU-Richtlinie, weshalb die Erzeugungsstandards im Ländervergleich nicht nur auf globaler Ebene, sondern auch innerhalb der EU wesentlich stärker differieren. Deutschland nimmt auch hier zusammen mit Schweden und Österreich eine Vorreiterrolle ein: In Deutschland gibt es eine bindende Selbstverpflichtung der Branche mit detaillierten Regelungen der Putenmast. Sie greift die EU-Richtlinie für Hähnchen auf und führt dazu, dass die Standards für die deutsche Putenfleischerzeugung zu den höchsten der Welt gehören. Die deutsche Selbstverpflichtung bildet somit eine gute Grundlage für eine anzustrebende EU-Gesetzgebung. Diese würde nicht nur EU-weit höhere Standards und damit Fortschritte bei Tierwohl und Verbraucherschutz garantieren, auch Unterschiede in der Wirtschaftlichkeit der Erzeugung könnten ausgeglichen werden.

Außerhalb der EU variieren die gesetzlichen Grundlagen der Geflügelfleischerzeugung sehr deutlich. So gibt es Länder wie die USA oder Russland, die – teils branchenintern, teils gesetzlich – relativ strenge Vorschriften machen. Andere Länder wie China, Indien und Japan regulieren den Sektor kaum.

Deutschland verfügt über eine relativ große Geflügelfleischerzeugung bei höchsten Standards. Darauf aufbauend können die hohen Standards eine Chance für die Erzeuger sein, sich im nationalen und internationalen Markt hervorzuheben. In einem Marktumfeld, in dem nicht nur die Qualität des Fleisches, sondern auch Fragen des Tierwohls für die Kaufentscheidung der Konsumenten immer wichtiger werden, sind die hohen Erzeugungsstandards ein möglicher Wettbewerbsvorteil. Die Analyse zeigt allerdings auch deutlich, dass eine starke Regulierung der Branche – wie in Österreich oder Schweden – zu so hohen Erzeugerpreisen führen kann, dass sich selbst in diesen wohlhabenden Ländern nicht mehr alle Konsumenten das hochpreisige einheimische Geflügel leisten können. Sie greifen immer öfter zu preiswerteren Importen. Auch die weiterverarbeitende Lebensmittelindustrie kauft mehr und mehr im Ausland ein. So werden die hohen Erzeugungsstandards konterkariert durch Importe aus Ländern mit niedrigeren oder sogar fehlenden Standards.

Professor Bert Rürup, Präsident des HRI, präsentierte die Studie am 24.2.2016 im Rahmen des dritten Zukunftsdialogs der deutschen Geflügelwirtschaft in Berlin vor rund 100 geladenen Gästen.

Die Studie können Sie hier herunterladen.

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