Thomas Bischof
Vorstandsvorsitzender, Gothaer Allgemeine Versicherung AG
In Europa spielt das Thema Regulierung eine große Rolle. Wie ist Ihre Sichtweise dazu?
Grundsätzlich ist für mich der einheitliche Rechtsrahmen eine der Stärken Europas. Allerdings fallen die Regulierungen mitunter äußerst praxisfern aus. Es gibt einen gewissen Glauben, mit Regulierung alle Probleme lösen zu müssen. Außerdem wird an den Regulierungen zu lange gearbeitet.
Was meinen Sie damit, dass daran zu lange gearbeitet wird?
Regulierungsvorhaben sind am Anfang häufig sehr präzise und theoretisch mit guter Wirkung. Allerdings versuchen die Regulierer mit der Zeit, immer mehr Themenaspekte mit der einen Regulierung abzudecken. Dadurch wird das Vorhaben immer umfassender und breiter, aber auch ungenau. Die Regulierung verliert damit an Wirkkraft und beeinträchtigt unter Umständen das Handeln der Unternehmen.
Wäre dann keine Regulierung besser?
Nein. Ich favorisiere eine klare Regulierung. Denn diese schafft Vertrauen. Was das Ergebnis einer fehlenden Regulierung sein kann, haben wir in der Vergangenheit im US-amerikanischen Finanzmarkt gesehen.
