Ronald de Jonge
Partner und Operating Officer Public Sector, Sopra Steria SE
Herr de Jonge, was ist der Unterschied zwischen Co-Creation und Teamarbeit?
Das ist eine gute Frage. Sie spielen beide eine große Rolle, wenn es um Zusammenarbeit geht. Trotzdem haben sie beide ganz unterschiedliche Fokuspunkte. Co-Creation geht weit über das klassische Team hinaus. Hier sprechen wir von einem inklusiven Ansatz, bei dem verschiedene Partner, Akteure, einschließlich Kunden und externer Partner in den Gestaltungsprozess einbezogen werden. Es geht um die Erschaffung innovativer Ideen und Lösungen, die aus unterschiedlichen Perspektiven entstehen. Um es bildhaft auszudrücken: wie eine Brücke zwischen Organisation und Umwelt, die über die vorliegenden Organisations- und Unternehmensgrenzen hinweg verläuft.
Bei Teamarbeit hingegen überwiegt die Innenperspektive des Unternehmens, die effektive Zusammenarbeit von Mitgliedern eines Teams, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Hier kommen Menschen zusammen, die oft aus ähnlichen Fachgebieten stammen, um ein Projekt bestmöglich voranzutreiben. Teamarbeit bedeutet Koordination, Kommunikation und das Bündeln von Fähigkeiten, um gemeinsame Ziele zu erreichen.
Genau das unterscheidet die Teamarbeit daher auch von der Co-Creation: gebündelte Stärken und Fachkenntnisse interner Mitglieder versus breite Vielfalt von Perspektiven und externe Inputs. Beide sind wertvoll — auf das Ziel kommt es an.
Welche Rolle spielen die Kunden dabei?
Sie sprechen das Herzstück von Co-Creation und Teamarbeit an. Denn im Co-Creation sind vor allem die Kunden die kreativen Katalysatoren. Sie sind nicht nur Konsumenten, sondern werden zu aktiven Mitgestaltern. Ihre Ideen, Bedürfnisse und Einsichten fließen direkt in den Innovationsprozess ein. Das eröffnet die Möglichkeit, Produkte und Lösungen zu entwerfen, die nicht nur an den Kundenbedürfnissen ausgerichtet sind, sondern diese sogar übertreffen können. Die Kunden nehmen eine Art Partnerschaftsrolle ein, in der ihre Beiträge einen erheblichen Einfluss auf die Gestaltung des Endergebnisses haben.
Die klassische Teamarbeit ist da etwas anders positioniert. Hier können Kunden ganz unterschiedlich involviert sein — auf die Form der Teamarbeit kommt es an. In interdisziplinären Teams können Kundenfeedback und -anforderungen in den Entwicklungsprozess einfließen. In Teams, die im direkten Kundenkontakt stehen, wie Vertrieb oder Kundensupport, sind Kunden oft die Quelle der Bedürfnisse und Herausforderungen. Hier bilden die Kunden ein wichtiges Bindeglied, um die Angebote optimal an die realen Bedingungen anzupassen.
Im Co-Creation wirken Kunden also viel eher als kreative Partner, die Ideen und Visionen in den Schaffensprozess einbringen. In der Teamarbeit variieren ihre Rollen stark — von der Inspiration, Quelle von Anforderungen, bis hin zu Feedbackgebern kann alles dabei sein.
