11.11.2014

HRI fordert bessere Rahmenbedingungen für private Investitionen

Die Konjunktur in Deutschland hat sich in den vergangenen Monaten merklich abgekühlt. Die noch zum Jahresbeginn erhofften zwei Prozent Wachstum in diesem und nächstem Jahr wird es nicht geben. Dies zeigt: hohe Wachstumsraten sind eben keine Selbstverständlichkeit. Wichtiger jedoch als das Auf-und-ab im Konjunkturzyklus ist eine langfristig angelegte Wachstumspolitik. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der alternden Bevölkerung ist Deutschland auf einen modernen Kapitalstock angewiesen.

Eine neue Gemeinschaftsstudie des Handelsblatt Research Institute (HRI) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Auftrag des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft zeigt eine seit Jahrzehnten schwache Investitionstätigkeit in Deutschland. Im Vergleich zur Gruppe der anderen EU-Länder und der anderen OECD-Länder weisen besonders die Bereiche Sonstige Dienstleistungen, Verkehr und Kommunikation sowie Bildung und Gesundheitswesen große Rückstände auf.

Die Studie wurde am 10. November in Berlin vorgestellt und auf einer Veranstaltung mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und BDI-Präsident Ulrich Grillo diskutiert.
In der deutschen Wirtschaft ist die Investitionsschwäche durchaus präsent. Der Handelsblatt Business-Monitor, eine repräsentative Forsa-Umfrage unter Führungskräfte, zeigt, dass eine Mehrheit der Führungskräfte eine Investitionsschwäche in Deutschland erkennt. Rund 37 Prozent von ihnen erklärten, der Staat investiere nicht genug, 36 Prozent sahen das Problem sowohl auf Seiten des Staates sowie bei den Unternehmen, etwa 27 Prozent zufolge waren die zu geringen Unternehmensinvestitionen der Grund.

„Was heute ansteht ist unseres Erachtens so etwas wie ein Wachstumspakt 2020, bei dem es drum gehen muss, die in der irreversiblen Bevölkerungsalterung angelegte Wachstumsbremse zu lockern – auch um den demografisch bedingt steigenden Umverteilungsbedarf besser befriedigen zu können“, sagte HRI-Präsident Bert Rürup auf der Konferenz im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin. Konkret bedeute dies, zum einen die Modernisierungsdefekte unserer Infrastruktur zu beseitigen und zum anderen Anreize zu setzen, die die Unternehmen dazu veranlassen, stärker als in der Vergangenheit in Deutschland zu investieren.
Private Investitionen seien das Ergebnis eines einzelwirtschaftlichen, durchweg renditeorientierten Entscheidungskalküls auf der Basis des jeweiligen Geschäftsmodells des Unternehmens. Deshalb könne auch die ökonomische Theorie die Frage nach der optimalen Investitionsquote eines Landes oder der Höhe einer Investitionslücke nicht wirklich beantworten. „Wohl aber kann man zeigen, dass eine gegebene Investitionsquote zu gering sein, um eine Volkswirtschaft auf einen höheren Wachstumspfad zu bringen.“

Dazu sollte der Staat sollte mehr in den Erhalt und die Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur investieren. Wichtiger jedoch ist, dass der der Staat eine wachstumsfreundliche Wirtschaftspolitik betreiben. Vorrangiges Ziel der Wirtschaftspolitik sollte es sein, das Wachstumspotenzial zu stärken. „Die ersten Amtshandlungen der dritten Großen Koalition, die Verabschiedung teurer, rückwärtsgewandter und beschäftigungs- und wachstumsfeindlicher Transferprogramme wie die Rente mit 63, die Mütterrente und ein höheres Erziehungsgeld, weisen leider in die entgegen gesetzte Richtung“, betonte Rürup.

Zur Studie gelangen Sie hier

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