02.10.2014

Hype oder Markt? Strategien und Erfolgsfaktoren der deutschen Wirtschaft in Afrika

Als Kontinent der Kriege, Katastrophen und Korruption ist Afrika allgegenwärtig. Der Ausbruch der Ebola-Seuche in Westafrika und Bilder von überladenen Flüchtlingsbooten im Mittelmeer prägen das aktuelle Bild. Was weniger bekannt ist, sind die wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen Jahre: Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf hat sich seit der Jahrtausendwende verfünffacht. Die 48 südlich der Sahara liegenden Länder wachsen im laufenden Jahr mit durchschnittlich sechs Prozent voraussichtlich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt liegen in Afrika. Unter den 50 reformfreudigsten Ländern der Welt sind es 18. Das zeigt eine Studie von KPMG in Kooperation mit dem Handelsblatt Research Institute.

Die Erfahrungen deutscher Unternehmen in Afrika wurden in einer repräsentativen Umfrage und zusätzlichen Experteninterviews erforscht. 65 Prozent der 200 befragten deutschen Unternehmen bezeichneten ihre Aktivitäten auf dem Kontinent als „erfolgreich“. Je länger sie auf dem Kontinent aktiv waren, desto größer war ihre Bereitschaft, dort weiter zu expandieren. Vor allem die Wachstumsaussichten in Afrika und die starke Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern überzeugen die Unternehmen. Die Verfügbarkeit von Rohstoffen und niedrige Lohnkosten spielen für sie nur eine untergeordnete Rolle. Im Fokus stehen traditionell starke deutsche Branchen wie Maschinenbau, Energietechnik und Automobil.

Angezogen werden die Unternehmen von einer sich verbessernden Infrastruktur, der Urbanisierung und einer wachsenden konsumfreudigen Mittelschicht. Verlockend ist, dass Afrika in mehreren Bereichen technologische Entwicklungsstufen überspringt: statt Festnetztelefon gleich das Handy, statt Bankfilialen Zahlungsgeschäfte per Mobilfunk und anstelle von Kraftwerken dezentrale Solarenergie.

Zielland Nummer eins ist und bleibt zwar Südafrika – dies auch, weil das Land als Sprungbrett für die gesamte Region südlich der Sahara gilt. Doch sehr großes Potenzial sehen die befragten Firmenmanager in Nigeria, gefolgt von Angola, Ägypten, Marokko und Kenia.

Dabei blenden die Unternehmen die vielen Probleme wie Rechtsunsicherheit, mangelnde Infrastruktur, das unzureichende Bildungswesen und Korruption keineswegs aus. Im Gegenteil, sie stellen sich ihnen, indem sie beispielsweise den Fachkräftemangel durch eigene Initiativen und Investitionen in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter begegnen. Auch erwarten sie nicht, dass sich das Korruptionsproblem in absehbarer Zeit erledigen wird. Doch den Kontinent verlassen wollen die Unternehmen deshalb nicht.

Die Studie bietet einen ausführlichen Einblick in die Erfahrungen deutscher Unternehmen in Afrika mit vielen Best-Practice-Beispielen. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat je 200 deutsche Unternehmen, die in Afrika aktiv sind und 200 nicht in Afrika engagierte Unternehmen befragt. Hinzu kommen die Experteninterviews mit zwölf Afrika-Experten aus deutschen Firmen, Verbänden und Organisationen.

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